Njemački biskupi (ILUSTRACIJA) / Foto: Preslik FM

OFFENER BRIEF AN DIE DEUTSCHEN BISCHÖFE: Kroatische Gläubige äußern Besorgnis über die Einheit, Glaubwürdigkeit und Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland

An Dr. Klaus Krämer, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sowie an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz richtete eine Gruppe kroatischer Katholiken aus Deutschland einen offenen Brief, in dem sie ihre „Besorgnis über die Einheit, Glaubwürdigkeit und Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland“ zum Ausdruck brachten.

 

Anlass für den offenen Brief war die direkte Fernsehübertragung der deutschen Weihnachtsmesse aus Stuttgart im Programm der ARD, bei der die Darstellung der Weihnachtskrippe mit einem „schleimigen Jesus“ bei den Gläubigen Anstoß erregte.

OFFENER BRIEF AN DIE DEUTSCHEN BISCHÖFE: Kroatische Gläubige äußern Besorgnis über die Einheit, Glaubwürdigkeit und Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland
Luka Piličić / Foto: Fenix (A. F.)

Neben dem Erstunterzeichner Luka Piličić aus Stuttgart wurde der offene Brief von mehr als zwanzig kroatischen katholischen Gläubigen unterzeichnet, von denen die Mehrheit bedeutende Funktionen in kroatischen Gemeinschaften und Vereinen in Deutschland ausübt.

Den offenen Brief veröffentlichen wir vollständig in kroatischer Sprache; er wird zudem vollständig auch in deutscher Sprache veröffentlicht.

Eure Exzellenz, hochwürdigster Herr Bischof Dr. Klaus Krämer, sowie alle Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz,

in jedem Gottesdienst beten wir für unseren Heiligen Vater, den Papst, sowie für Sie, unsere Bischöfe. Wir beten für unsere Katholische Kirche und für ihre Hirten.

Als gläubige Laien und als Teil dieser Kirche nehmen wir mit großer Sorge wahr, dass es innerhalb der Kirche zu tiefen Spannungen und Spaltungen gekommen ist. Diese Entwicklung belastet viele Gläubige und schwächt das gemeinsame Zeugnis der Kirche.

  1. Zum Synodalen Weg

Viele Gläubige haben sich vom Synodalen Weg echte Reformen und ein glaubwürdiges Handeln erhofft. Dazu gehört vor allem eine klare und konsequente Distanzierung von Straftätern, eine ehrliche Aufarbeitung, die Übernahme von Verantwortung gegenüber den Opfern sowie die konsequente Entfernung pädokrimineller Priester und Bischöfe aus dem kirchlichen Dienst und deren Übergabe an die staatliche Justiz.

  1. Treue zur Lehre der Kirche

Zugleich halten wir es für unverzichtbar, dass unsere Kirche dem Weg treu bleibt, den sie seit Jahrhunderten als Kirche Petri gegangen ist. Die Kirche darf sich nicht dem Zeitgeist anpassen, sondern muss aus ihrer eigenen Identität heraus handeln. In diesem Zusammenhang teilen wir die Sorge, dass politische oder ideologische Symbole – wie etwa LGBT-Fahnen – in kirchlichen Einrichtungen zu Verwirrung führen und der kirchlichen Lehre widersprechen. Diese Haltung hinsichtlich der Anbringung von LGBT-Fahnen in kirchlichen Räumen steht auch im Einklang mit der klar vertretenen Position von Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

  1. Situation im Klerus

Mit Sorge beobachten wir, dass es im Klerus trotz des Versprechens des Zölibats Geistliche gibt, die dieses Versprechen nicht leben. Gleichzeitig fordern einige strukturelle und lehrmäßige Änderungen, statt persönliche Konsequenzen zu ziehen. Dies untergräbt die Glaubwürdigkeit der Kirche und führt zu weiterem Vertrauensverlust.

  1. Mitgliederverlust und kirchliche Praxis

Unsere Kirche verliert zunehmend Mitglieder. Statt die geistlichen Ursachen ernsthaft zu analysieren, entsteht häufig der Eindruck eines rein betriebswirtschaftlichen Denkens. Kirchen, die in schwierigen Zeiten aus dem Opfer der Gläubigen gebaut wurden, werden geschlossen oder verkauft. Gotteshäuser werden für weltliche Veranstaltungen genutzt, während der religiöse Auftrag in den Hintergrund tritt.

Besonders besorgniserregend ist auch der dramatische Rückgang von Priester- und Ordensberufungen. Wir sind überzeugt, dass dies nicht am Zölibat liegt, sondern an Defiziten in der Glaubensverkündigung, der Katechese und der religiösen Bildung – insbesondere bei Kindern und Jugendlichen.

Papst Benedikt XVI. hat zu Recht die Frage gestellt, ob die Kirchensteuer der geistlichen Erneuerung dient oder sie eher behindert. Auch diese Frage sollte offen und ehrlich diskutiert werden.

  1. Verlust christlicher Werte – Beispiel Weihnachten

Der Verlust christlicher Identität zeigt sich besonders deutlich am Weihnachtsfest. Weihnachten ist vielfach zu einem Konsum- und Geschäftsmodell geworden, während Christus aus Sprache, Medien und Öffentlichkeit verdrängt wird. Begriffe wie „X-Mas“ ersetzen Weihnachten, christliche Inhalte sind in Fernsehen und Kultur nahezu vollständig verschwunden.

Dabei beruhen viele Errungenschaften unserer Gesellschaft – Krankenhäuser, Bildung, Pflege und soziale Ordnung – auf christlichen Werten. Diese Grundlagen dürfen nicht weiter preisgegeben werden.

  1. Rolle der muttersprachlichen Gemeinden

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Situation der muttersprachlichen katholischen Gemeinden. Viele Gläubige aus diesen Gemeinden fühlen sich an den Rand gedrängt und nicht als gleichwertiger Teil der Ortskirche wahrgenommen. Es entsteht der Eindruck, Christen zweiter Klasse zu sein.

Gleichzeitig wird der Dialog mit anderen Religionen und Konfessionen oft intensiver gepflegt als die Zusammenarbeit mit muttersprachlichen katholischen Gemeinden. Wir sind überzeugt, dass deren Erfahrungen, Glaubenstreue und pastorale Ansätze eine große Bereicherung für die gesamte Kirche darstellen können. Ihre Vorschläge sollten ernsthaft geprüft und – wo sinnvoll – in die kirchliche Praxis übernommen werden, um gemeinsam den Glauben zu stärken und Kirchenaustritte zu verhindern.

Sehr geehrte Herren Bischöfe, wir schreiben Ihnen diese Zeilen aus Liebe zur Kirche und aus Sorge um ihre Zukunft. Wir bitten Sie, diese Gedanken als ehrlichen Beitrag gläubiger Katholiken zu verstehen.

Mit ehrerbietigen Grüßen, Luka Piličić im Namen der Gruppe kroatischer Katholiken

Fenix-magazin/SIM

OFFENER BRIEF WEGEN DER „GROTESKEN DARSTELLUNG“ AUS DER MITTERNACHTSMESSE IN STUTTGART: Ich kann und darf nicht schweigen, wenn der katholische Glaube beleidigt wird

Povezano

Ein Absperrband der Polizei hängt vor der Filiale der Sparkasse Gelsenkirchen im Stadtteil Buer. Foto: Oliver Berg/dpa
SERIE VON SCHLIEßFACH-AUFBRÜCHEN IN NRW: Nach Tresor-Coup in Gelsenkirchen ermittelt Polizei in mehreren Städten
OFFENER BRIEF WEGEN DER „GROTESKEN DARSTELLUNG“ AUS DER MITTERNACHTSMESSE IN STUTTGART: Ich kann und darf nicht schweigen, wenn der katholische Glaube beleidigt wird
300.000 KITAPLÄTZE FEHLEN: Unterschiede zwischen Ost und West
KROATE SORGT ZUM SENSATIONSSIEG: Ivor Ban besiegt den besten deutschen Spieler und ist der größte Anteil daran, dass Bad Homburg ins Tischtennis-Final Four einzieht
INTERVIEW: Der Zagreber Ivor Ban, kroatischer Tischtennis-Nationalspieler, wechselt nach Bad Homburg  
Sky du Mont
MEHR ALS 1.000 AUTOREN AUS 92 LÄNDERN: Buchmesse in Frankfurt startet mit Appell für Dialog in Krisenzeiten