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IMPORTIERTE UNFALLWAGEN: Strukturschäden aus dem Ausland kommen regelmäßig ohne Eintrag in den deutschen Gebrauchtwagenmarkt

Anfang 2025 hat ein Händler in Bielefeld auf einer Regionalauktion einen Kombi aus dem Jahrgang 2019 erstanden, grau, 67000 Kilometer auf dem Tacho, Diesel, frische HU. Drei Wochen auf dem Hof, dann weg. Zehn Tage später steht der Käufer wieder da. Seine Schwägerin, sagt der Händler, hatte sofort gesagt, das Auto fühle sich komisch an beim Einsteigen, zu flexibel irgendwie an der linken Seite. Die Schwägerin, muss man dazu wissen, arbeitet bei einem Autozulieferer in der Qualitätssicherung, die spürt sowas. Er selber hat das damals abgetan.

 

Ich habe mit Thomas Berger darüber geredet, der macht seit Jahren Fahrzeuggutachten in Hannover, sein Büro liegt in so einem Gewerberiegel neben einer Versicherungsagentur, er trinkt Kaffee aus einer Tasse auf der irgendwas mit Motoren steht. Er sagt, solche Fälle kommen ihm drei, viermal im Jahr unter, und das seien nur die bei denen tatsächlich ein Gutachten beauftragt wird. Die meisten, vermutet er, enden vorher, weil die Käufer das gar nicht so weit treiben. Entweder sie merken nichts, oder sie merken es und wollen trotzdem nicht vor Gericht, weil das Geld kostet und Zeit und Nerven und am Ende steht vielleicht ein Vergleich bei dem keiner zufrieden ist. Was er in diesen Fällen findet, sieht von außen immer gleich aus, frische Lackierung, neue Dichtgummis an den Türen, alles gemacht. Wer nur mit den Augen guckt und den Händen ein bisschen drückt, findet das nicht. Er hat das gesagt ohne Vorwurf, eher mit dieser müden Sicherheit von jemandem der genau weiß wie das läuft und sich damit abgefunden hat. Was er dann macht ist mit einer Lampe in die Türfalze leuchten, Schweller von unten abtasten, Übergänge zwischen Blech und Reparaturmasse prüfen, Dichtungsnähte die nicht vom Werk kommen erkennt er sofort. Zehn Minuten bei jemandem der weiß was er sucht.

Die HU prüft, was sie prüfen kann. Sichtbares, Messbares, Bremsen, Licht, Abgas. Ob ein Fahrzeug irgendwo vor der deutschen Erstanmeldung als Totalschaden geführt und dann wieder zusammengebaut wurde, gehört nicht zum Prüfumfang. Das KBA dokumentiert ab dem Tag der Zulassung in Deutschland, was vorher war liegt in den Registern des Herkunftslandes, und die reden nicht miteinander. Das ist kein Versäumnis, das ist einfach so gebaut. Rund ein Viertel der Gebrauchtwagen hier kommt aus dem Ausland. Der größte Teil davon aus Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien. Ein Teil davon sind EU-Importe, die ursprünglich für den deutschen Markt produziert wurden, dann zurückkommen. Andere hatten im Herkunftsland eine Karriere die irgendwann endete, manchmal wegen eines Unfalls und manchmal weil jemand die Versicherung kassiert und das Auto dann trotzdem weiterverkauft hat, und dann hat jemand das für den deutschen Markt wieder hergerichtet. Manche davon ehrlich, manche nicht, und von außen sieht man den Unterschied meistens nicht. Aus den Polizeidaten der letzten Jahre lässt sich ablesen, dass die Zahl der Reimporte mit verschwiegener Schadenshistorie gestiegen ist, irgendwo im Bereich von 15 bis 20 Prozent mehr Fälle als noch 2022.

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Wer online sucht, ob auto historie prüfen kostenlos möglich ist, oder gleich einen bezahlten VIN-Dienst nutzt, sieht oft auch Daten aus ausländischen Registern, Unfalleinträge, Kilometerstandverläufe, Totalschadenserfassungen wenn vorhanden. Das deckt einen Teil ab, den Teil der irgendwo registriert wurde. Was privat repariert worden ist, vom Schwager oder vom Nachbarn, ohne Versicherung, ohne Rechnung, findet sich nirgends. Auch in Deutschland nicht. Der Unterschied ist nur, dass hier insgesamt mehr dokumentiert wird, die Abdeckung dichter ist. Trotzdem gibt es Fälle die einfach durch die Lücke fallen.

Berger hat mir von einem Gutachten erzählt, Frühjahr dieses Jahres, ein Händler im Raum Frankfurt hatte ein Fahrzeug verkauft, und der Käufer war drei Monate später bei Berger gelandet weil irgendetwas an dem Auto nicht stimmte und er nicht genau benennen konnte was. Das Fahrzeug hatte einen vollständigen Serviceheft, alle Stempel, alle Ölwechsel, bis Anfang 2024. Dann eine Lücke von acht Monaten. Dann eine neue Hauptuntersuchung und der Markteintritt in Deutschland. Diese acht Monate, sagt er, seien die interessantesten in der Geschichte des Fahrzeugs gewesen. Wo das Auto in dieser Zeit war, was genau gemacht wurde, wer es in der Hand hatte, dazu nichts. Der Frankfurter Händler sagte, er habe es über jemanden aus Ungarn bezogen und von der Vorgeschichte nichts gewusst, was stimmen kann oder auch nicht. Was aus dem Rechtsstreit geworden ist, weiß Berger nicht, er war nur für das Gutachten zuständig.

Die Händler die ich kenne schauen mittlerweile genauer hin, jedenfalls einige. Vor dem Kauf schon, nicht erst danach. Schweller, Radkästen, Türfalze, was sich verkleiden lässt. Ein paar nehmen jeden Import zu einem Prüfer mit bevor sie über Geld reden. Das LKA meldet in mehreren Bundesländern mehr Verfahren wegen Täuschung beim Autoverkauf als vor drei Jahren. Nur enden die meisten davon irgendwo in der Mitte, weil bei zwei oder drei Zwischenhändlern zwischen Bukarest und Bielefeld keiner mehr nachweisen kann wer was wann wusste.

Den Kombi hat er zurückgenommen und für Teile verkauft. Was er dafür bekommen hat, sagt er nicht, wahrscheinlich nicht viel. Seitdem lässt er jeden Import der über eine Auktion kommt vorher durch einen Sachverständigen prüfen, ausnahmslos. Das kostet ihn pro Fahrzeug zwischen 150 und 250 Euro. Er findet das immer noch billiger als das, was der Kombi ihn insgesamt gekostet hat.

Fenix-magazin/PROMO tekst

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