Der kroatische Wissenschaftler Dr.Ivan Đikić

Millionenpreis für eine komplexe Funktion des„Todeskusses“

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Der kroatische Wissenschaftler Dr.Ivan Đikić aus Frankfurt/M erhielt den höchstdotierten deutschen Wissenschaftspreis, den Gottfried Wilhelm Leibniz -Preis für das Jahr 2013

Aus diesem Anlass sprachen wir mit Dr. Ivan Aikić, der seit 2003 an der Goethe-Universität in Frankfurt tätig ist. Nach seinem Universitätsabschluß an der Medizinischen Fakultät in Zagreb arbeitete er fünf Jahre im Labor von Joseph Schlessinger an der New Yorker Universität. Seine selbständige Karriere begann er 1997 am Ludwig- Institut für Krebsforschung in Uppsala in Schweden. Mehrmals wurde er für seine Arbeit mit Preisen ausgezeichnet. Er ist Mitglied der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO) und der Deutschen Nationalakademie Leopoldina.

FeniX: Wie fühlen Sie sich als Preisträger eines so wichtigen Preises? – Ich bin sehr stolz, glücklich und zufrieden. Es hat sich etwas Unerwartetes verwirklicht. Der Preis ist eine große Anerkennung für meine langjährige Arbeit, aber auch für die Arbeit meines Teams.

FeniX: Das Ubiqitin ist auch als „Todesskuss“ bekannt. Könnten Sie detaillierter erklären, worum es sich hier handelt? – In unserem Organismus muss sich jede Zelle reinigen, der Abfall ist zu markieren. Die Markierung erfolgt mittels Ubiquitin. Wenn Ubiquitin auf irgendein Protein oder auf etwas Unnötiges gegeben wird, wird es in der Zelle abgebaut. Deshalb wird es „Todeskuss“ genannt.

FeniX: Warum hat sich die Anzahl der an Krebs erkrankten Menschen in der letzten Jahrhunderthälfte so erhöht? – Die Krebszellen sind ein Teil unseres Organismus, die den Gehorsam verweigert haben. Es ist leichter, wenn man gegen etwas Äußeres kämpft, da die Antigene unterschiedlich sind. Wenn man aber eigene Krebszellen hat, verstecken sie sich und können nicht gänzlich entfernt werden. Aus diesem Grunde sind die Krebse sehr widerstandsfähig. Sie verändern sich sehr schnell. Man starb auch früher, aber man wusste nicht woran. Heute entdecken wir Krebse viel früher. F: Was halten Sie für Ihren größten wissenschaftlichen Erfolg? – Die Entschlüsselung von Ubiquitin-Netzwerken. Diese Codes definieren menschliche Funktionen. Mit Hilfe dieses Codes sind wir in der Lage bestimmte Lebensprozessen besser zu verstehen.

FeniX: Wie betrachten Sie den Konflikt zwischen Wissenschaftlern und religiösen Gruppen, die sich der Forschung von Mutterzellen widersetzen? – Es bestehen verschiedene Lobbys und Interessen, die zum Konflikt führen. Die Wissenschaftler sollten sich bei der Arbeit an ethische, gesetzliche Normen in ihren Ländern halten. Der wissenschaftliche Erfolg ist auf den Gesellschaftsfortschritt ausgerichtet und sollte unterstützt werden. Es gibt ideologische Unterschiede und unterschiedliche religiöse Auffassungen, die von Einzelnen ausgenutzt werden und die versuchen, einen künstlichen Konflikt in der wissenschaftlichen Gemeinschaft heraufzubeschwören. In den 16 Jahren meiner wissenschaftlichen Arbeit hatte ich nie das Gefühl ein Problem mit jemandem wegen der Forschungsfreiheit zu haben.

FeniX: Sind Sie gläubig? – Meine Familie und ich unterstützen kulturelle und religiöse Gefühle der einzelnen Menschen. Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen und lebe auch so. F: Wenn Sie kein Wissenschaftler wären, was wären Sie? – Ich würde mich wahrscheinlich mit Naturwissenschaften, Mathematik oder sogar Wirtschaftslehre beschäftigen. Ich habe mich für das Wirtschaftsstudium immatrikuliert, aber abgebrochen, da mir die Medizin viel interessanter war. F: Wofür geben Sie am meisten Ihr Geld aus? – Für Lebensqualität, Familie und Kinder. Ich investiere in ihre Zukunft, aber auch in Reisen. F: Wie entspannen Sie sich? – Das kenne ich in meinem Leben fast nicht. Die Arbeit an zwei Instituten, Familie mit drei Kindern… das alles verlangt viel Zeit. Aber ich genieße mein Leben. Meistens entspanne ich mich im Gespräch mit meiner Frau oder beim Musikhören.

FeniX: Was ist für Sie das Wichtigste im Leben? – Gesundheit, Liebe, Familie und Frieden. F: Wie betrachten Sie Kroatien? Planen Sie eines Tages in Kroatien zu leben? – Kroatien ist mein Land, ich mag es. Hier bin ich aufgewachsen, bin zur Schule gegangen und habe dort mein Studium absolviert. Ich möchte nach Kroatien mit meinem Wissen und Erfahrung zurückkehren. Ich will in den Nachwuchs investieren, was ich auch schon seit zehn Jahren mache. Ich habe ein Labor in Split und arbeite dort mit vier Wissenschaftlern somit fühle ich mich, als ob ich bereits in Kroatien leben würde. Aber die Rückkehr der ganzen Familie ist momentan unmöglich, vor allem wegen der aktuellen Bedingungen in Kroatien. Dort könnte ich nicht genauso arbeiten, wie es derzeit in Deutschland tue.

FeniX: Wie ist ihr heutiges Verhältnis zu Miroslav Radman dem Wissenschaftler aus Split und ihrem ehemaligen Mitarbeiter, der Sie seinerzeit über die Medien stark angegriffen hat? – Herr Radman hat sich sehr geändert. Als Mensch und Wissenschaftler hat er mich sehr enttäuscht, als er fälschlicherweise behauptete, dass Herr Tedeschi und ich ihm das Institut in Split wegnehmen wollen. Er versuchte seinen Misserfolg, mit dem Führen des Institutes in Split, uns zuzuschreiben. In diesem Institut habe ich fünf Jahre volontiert. Ich habe sehr viel geschafft und bin stolz auf meine Arbeit in MedILS. Dem Institut wünsche ich nach wie vor das Beste. Infolge dieser Veränderungen, die sich bei Radman ereigneten, sieht man leider in den vergangenen zwei Jahren, nachdem ich das Institut verlassen habe, keine wesentlichen Fortschritte.

FeniX: Was denken Sie darüber, dass Sie nicht zum Mitglied der Kroatischen Akademie der Wissenschaften und Künste (HAZU) gewählt wurden? – Die HAZU-Mitglieder haben mich kandidiert, darum gebeten mich der Akademie anzuschließen und ihr Mitglied werde. Sie beteuerten, dass ich für die Förderung der Wissenschaft in Kroatien notwendig bin. Bedauerlicherweise haben sie mich im Lichte verschiedener Hintergrundspiele zuerst nominiert und danach haben eine beträchtliche Zahl von Mitgliedern mir den Rücken gekehrt. Das ist ihr Recht. Mit dem Beitritt in die HAZU oder dem Austritt aus derselben gewinne und verliere ich nicht viel. In Deutschland bin ich Mitglied der Leopoldina, bin als Wissenschaftler anerkannt, genieße die Arbeit im meinem Labor und das macht mich glücklich.

FeniX: Sehen Sie sich vielleicht eines Tages in der Politik Kroatiens? – Ich vertrete die Meinung, dass ein Wissenschaftler und Intellektueller egal von welcher politischen Option Abstand halten muss. Als Person bin ich völlig apolitisch. Ich glaube, ich würde eine Menge Probleme bekommen, wenn ich irgendeiner politischen Option näher kommen würde.

Schrieb : Marijana Dokoza
E-mail: marijana.dokoza@fenix-magazin.de

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